Auditive Wahrnehmung

Zur Hörverarbeitung gehören folgende Einzelbereiche: 

Frequenzbereich

Der Frequenzbereich ist der Bereich, in dem man Töne wahrnimmt. Der menschliche Hörbereich geht von 0 bis max. 20.000 Hz. Unsere Sprache reicht von ca. 500 bis 6.000 Hz. 

Gleichgewichtssinn

Der Gleichgewichtssinn ist im Innenohr lokalisiert. Er arbeitet eng mit dem Gehör, den Augen und den Muskeln zusammen, um die aufrechte Körperhaltung, die räumliche Orientierung und die Koordination zu gewährleisten.

Frequenz- und Zeitmusterunterscheidung

Die Frequenz- und Zeitmusterunterscheidung sind wichtig, um akustische Signale aus dem Sprachfluss identifizieren, abgrenzen und verstehen zu können. Die Fähigkeit ist entscheidend für das Herausfiltern einzelner Laute, Wörter oder Sätze aus Hintergrundgeräuschen. Hohe Frequenzen entsprechen hohen Tönen und niedrige Frequenzen tiefen Tönen. Das Zeitmuster bezieht sich auf den zeitlichen Ablauf wie Dauer und Abfolge von Schallereignissen.

Auditive Ordnungsschwelle

Bei der auditiven Ordnungsschwelle werden in kurzem zeitlichen Abstand zwei Reize gesetzt. Je kürzer der zeitliche Abstand ist, in dem die Reize unterschieden werden können, desto besser ist die Ordnungsschwelle. Hat ein Kind dabei Schwierigkeiten, kann es kritische Laute wie b-p, g-k, d-t nicht oder nur sehr schlecht unterscheiden. Es bildet Wörter nicht richtig, hat Verständnisprobleme oder tut sich schwer bei der Arbeit mit der Anlauttabelle.

Tonhöhen- und Tonlängenunterscheidung

Tonhöhenunterscheidung bedeutet, dass man bei zwei unterschiedlichen Tönen erkennen kann, welcher der niedrigere bzw. höhere Ton ist. Diese Fähigkeit ist wichtig für das Singen oder Erlernen eines Instruments, für das betonte Sprechen und den gelungenen Gedichtvortrag. Ohne eine gute Tonhöhenunterscheidung bleiben manche Aussagen mehrdeutig. Ironie wird von den Kindern nicht erkannt.

Tonlängenunterscheidung bedeutet zu erkennen, ob ein Ton länger, kürzer oder genauso lang ist wie der vorherige Ton. Nicht nur beim Musizieren ist diese Fähigkeit wesentlich, sondern auch für die Rechtschreibung. Kann ein Kind kurze und lange Laute nicht unterscheiden, hat es Schwierigkeiten beim richtigen Schreiben, z. B. mit der Mitlautverdopplung, den doppelten Selbstlauten, dem langen ie und dem Dehnungs-h.

Richtungshören

Unter Richtungshören versteht man die Fähigkeit, ein bestimmtes Geräusch oder eine Stimme einer Richtung zuordnen zu können, auch wenn Störgeräusche vorhanden sind. Es ist entscheidend für die räumliche Orientierung und bildet die Grundlage für das selektive Hören. Dies ist die Fähigkeit, sich in einer lauten Umgebung auf ein bestimmtes Geräusch zu konzentrieren und andere Hintergrundgeräusche auszublenden. Auch die Lautstärkenunterscheidung ist hierfür wichtig. Bedenkt man, dass in einer durchschnittlichen Schulklasse häufig ein Geräuschpegel zwischen 50 bis 65 Dezibel herrscht, wird einem bewusst, wie wichtig diese Funktion ist. Das Schulkind muss wichtige Informationen des Lehrers vom Stühlerücken, Stiftgeklapper, dem Flüstern des Banknachbarn oder dem Seitenumblättern unterscheiden können. Hat ein Kind Defizite beim Richtungshören, erzielt es beim Diktat schlechtere Ergebnisse, wenn der Lehrer beim Diktieren in der Klasse herumgeht, anstatt frontal zur Klasse zu stehen.

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